Gleisanschluss  Bienertmühle

 

Der Gleisanschluss zur Bienertmühle zweigte von der ehemaligen Strassenbahntrasse Tharandter Str. - Coschütz, in Höhe der Eisenbahnunterführung "Haltepunkt Dresden-Plauen" ab.

Noch heute sind Gleisreste im ehemaligen Betriebsgelände sichtbar.

Und hier etwas zur Geschichte der Bienertmühle :

Die Geschichte der Bienertmühle reicht bis ins Jahr 1366 zurück, in dem erstmals eine Wassermühle auf Plauener Flur erwähnt wurde. 1568 erwarb Kurfürst August eine 1542 von den Dresdner Tuchmachern erbaute Walkmühle und ließ sie bis 1571 durch einen größeren Neubau ersetzen. Die nun als Hofmühle bezeichnete Mühle mit 16 Mahlgängen besaß bis ins 19. Jh. die Mahlgerechtigkeit für Dresden und 66 Dörfer, was zur Folge hatte, dass die Bauern der betroffenen Orte ihr Getreide ausschließlich in Plauen mahlen lassen durften. Erst im Zuge der staatlichen Reformen nach 1830 wurde dieser Mahlzwang aufgehoben. Die Mühle war wegen ihrer Bedeutung und der hier gelagerten Getreidevorräte zu Kriegszeiten immer wieder Ziel feindlicher Soldaten. 1643 nutzte sie der kaiserliche General Piccolomini als Hauptquartier. Letztmals wurde sie 1813 beschädigt.

 

An die alte Hofmühle erinnert noch das kurfürstliche Wappen im Hof  mit dem Wappenstein des ersten Hofmühlenmeisters Zacharias Zimmermann von 1570 (Foto). Der Reliefstein, welcher zu den ältesten Einzeldenkmalen Dresdens gehört, zeigt links die Kurschwerter mit der sächsischen Raute, rechts drei Löwen unter einer Krone. Diese entstammen dem dänischen Reichswappen und verweisen auf Kurfürstin Anna, die als Förderin der Landwirtschaft maßgeblich an der wirtschaftlichen Entwicklung Sachsen beteiligt war. Zwischen den Wappen sind zwei verschlungene Monogramme mit dem Buchstaben A zu sehen, die auf Kurfürst August und Kurfürstin Anna hinweisen.

Nach Aufhebung des Mahlzwanges verlor die technisch verschlissene Mühle schnell an Bedeutung. So konnte der aus Eschdorf stammende Müller Gottlieb Traugott Bienert am 1. Mai 1852 die Hofmühle Plauen zu günstigen Konditionen pachten. Sofort begann Bienert mit der Modernisierung der Mühle, die 1853 um eine Bäckerei erweitert wurde. 1858 wurde die erste Dampfmaschine installiert, die bei Wassermangel die Turbinen an der Weißeritz ersetzen konnte. Umfangreiche Erweiterungen erfolgten zwischen 1867 und 1889. Dabei entstand u. a. ein neuer Großspeicher mit Gleisanschluss an die Eisenbahnlinie. Als Transportmittel wurden jedoch auch spezielle Güterstraßenbahnwagen eingesetzt. 

Güterstrassenbahn

Genau 20 Jahre nach Unterzeichnung des ersten Pachtvertrages konnte Bienert die Hofmühle vom sächsischen Staat käuflich erwerben. Um 1900 beschäftigten die Bienertschen Werke in Plauen, zu denen neben der Bienertmühle auch eine Brotfabrik gehörte, über 220 Beschäftigte. 1913 konnte mit der Hafenmühle in Dresden-Friedrichstadt ein weiterer Betriebsteil eröffnet werden.

Nach 1945 wurden die Bienertwerke in Volkseigentum überführt und wurden nun als VEB Dresdner Mühlenwerke bezeichnet. Der Mahlbetrieb in Plauen wurde später eingestellt, so daß die Mühle nur noch als Backwarenfabrik diente. Bis 1995 war das Unternehmen in Betrieb, zuletzt als Teil einer großen Brotfirma. Die stark sanierungsbedürftigen Gebäude sollen künftig einer neuen Nutzung zugeführt werden. Derzeit finden ab und zu diverse Ausstellungen in den Räumlichkeiten statt.

 

Hier noch ein paar Eindrücke aus dem Inneren der Bienertmühle - aufgenommen beim

"Tag des offenen Denkmals 2004":